Interview mit Autorin Bettina Bellmont

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1. Was hast du geschrieben?

Mein Fantasy-Märchen „Am Tag der Schwarzen Vögel“ ist 2010 erschienen und im letzten November 2013 konnte ich die Veröffentlichung meines neusten Werkes, des Asia-Fantasy Romans „Das Schweigen des Schnees“ beim Papierfresserchens MTM-Verlag feiern. Unveröffentlicht verstauben in meiner virtuellen Schublade noch ein kurzer historischer Roman und eine Kindergeschichte.

2. Zu welchem Genre gehören deine Bücher? Falls es mehrere sind, welches ist dir am liebsten? Und warum?

Ich mag es, verschiedene Genres auszuprobieren. Am liebsten bleibe ich jedoch dem Fantasy treu. Das waren die Geschichten, die mich als Kind und Jugendliche begleitet und fasziniert haben. Auch als Erwachsene tauche ich gerne in epische, groß angelegte Fantasy-Welten ein. Leuten, die darauf beharren, dass Fantasy ja nichts Reales darstelle und daher minderwertiger sei als eine Biografie, ein Tatsachenbericht oder einem historischer Roman, kann ich nur ein müdes Lächeln entgegen bringen. Diese Leute haben noch nie einen wirklich guten Fantasy-Roman gelesen. Ansonsten wüssten sie, wie überzeugend echt und real die Probleme sind, die im Fantasy behandelt werden können.Cover Das Schweigen des Schnees

3. „Das Schweigen des Schnees“ ist dein zuletzt erschienenes Buch. Wovon handelt es?

Es ist die Geschichte von Asa und Yoru, einem Geschwisterpaar, das sich in einem vormythologischen Japan gegen Intrigen, Mord und Verfolgung wehren muss. Yoru verteidigt sein Familien-Siegel, das zugleich einer der sieben Schlüssel zur Unterwelt Yomi darstellt. Ihnen zur Seite stehen dabei allerlei Gestalten wie etwa der Wolfsgeist (Ôkami) Shiro oder die Schneefrau Yuki. Unbekannte, gelbe Krieger versuchen, dieses Siegel in ihre Gewalt zu bringen und scheuen nicht davor zurück, Asa als Geisel zu nehmen. Eines der zentralen Themen des Buches ist die Loyalität seinen Freunden und seiner Familie gegenüber und die Frage, wie man mit dieser großen Verantwortung umgehen kann.

4. Gibt uns doch bitte einen Einblick in das Leben deiner Hauptpersonen. Was macht sie besonders?

Asa und Yoru sind die einzigen Überlebenden des Tsukiyama-Clans. Auf ihnen lastet die Bürde, das Familien-Siegel zu bewahren. Während Yoru, ein nachdenklicher, zögerlicher Charakter, sich vor dieser Verantwortung fürchtet, ahnt die neugierige, aber naive Asa nicht, in welcher Gefahr sie eigentlich schweben. Asa, als jüngere Schwester, hat die Gabe der Familie geerbt, Geister und Youkai zu sehen, selbst wenn diese nicht gesehen werden wollen. Doch da sie ständig von Yoru oder Shiro beschützt wird, glaubt sie, selbst nichts ausrichten zu können, bis sie schließlich zu ihrer eigenen Stärke findet.

5. Dein Buch spielt in Japan. Musstest du dafür viel recherchieren, bevor du beginnen konntest zu schreiben?

Ich bin jemand, der gerne spontan drauflos schreibt. Hier war das nicht immer möglich, da ich meine Geschichte auf ein solides Grundwissen aufbauen wollte. Da ich Japanisch studiere, hatte ich jedoch Zugriff auf die Ostasiatische Bibliothek in Zürich und habe dort stundenlang Bücher gewälzt. Meistens ließ ich mich vom Gelesenen inspirieren oder suchte konkret nach einer Antwort auf eine Frage, die während dem Schreibprozess aufgetaucht war.

6. Woran arbeitest du im Moment?

Ich arbeite derzeit an mehreren Büchern. Zum einen bastle ich gerade Papierbilder für meine Kindergeschichte, das Konzept für eine etwas ungewöhnliche Fantasy-MMO-RPG-Story ist bereits schreibfertig und an der Fortsetzung zu „Das Schweigen des Schnees“ bin ich fleißig dran. Ich möchte daraus – falls möglich – eine Trilogie erschaffen und der zweite Band soll sozusagen „die Katastrophe einleiten“. Einen Namen für Band 2 hab ich zwar schon, halte ihn aber noch geheim, weil er sich vielleicht noch ändert.

7. Wann hast du dich entschieden, Schriftsteller zu werden? Gab es einen besonderen Anlass/Grund?am_tag_der_schwarzen_voegel

Es gab keine wirkliche Entscheidung. Ich habe in der Primarschule (vor über zehn Jahren!) zu schreiben begonnen, weil ich mir selber Geschichten erzählen wollte. Die Seiten wurden immer mehr und mehr und nach zwei Manuskripten, die nun, viele Jahre später, viel zu grauenhaft sind, um sie überarbeiten zu wollen, setzte ich mich während der Oberstufe und später dem Gymnasium an „Am Tag der Schwarzen Vögel“. Es war ein tolles Gefühl, meine Geschichten auch mit anderen Leuten teilen zu können.

8. Schreibst du haupt- oder nebenberuflich? Falls nebenberuflich, würdest du gerne hauptberuflich schreiben?

Klar würde ich gerne hauptberuflich (als Autorin) schreiben. Wer nicht?! Doch da bin ich Realistin: Es ist unglaublich schwer und hat viel mit Glück zu tun. Derzeit befinde ich mich noch im Studium (Germanistik, Publizistik und Japanisch) und verdiene meine Brötchen mit Korrespondenten-Aufträgen von lokalen Zeitungen.

9. Wie arbeitest du? (Schreibst du jeden Tag? Setzt du dir eine bestimmte Anzahl Seiten/Wörter/Zeichen als Ziel?)

Ich würde gerne regelmäßig schreiben und habe deshalb versucht, den „Autoren-Tag“ in meine Wochenplanung einzubauen. Geklappt hat’s gerade mal zwei Wochen. Ich schreibe meistens nach dem Lust-Prinzip, dann aber lange und intensiv. Wenn ich mir ein Ziel setze, dann meistens nur inhaltlich: also bis zu einer gewissen Szene oder ein Kapitel weiter etc.

10. Woher kommen deine Ideen? Was inspiriert dich?

Mich inspiriert schlichtweg alles. Schulstunden, Spaziergänge, Zugfahrten, Bücher, Filme, Einfach-da-liegen, Träumen, Plaudern. Manchmal ist die Idee einfach da und wird dann gleich in meinem kleinen, grünen Notizbüchlein festgehalten.

11. Planst du dein Buch vor dem Schreiben im Detail oder schreibst du einfach drauflos und schaust, was dabei rauskommt?

Im Voraus überlege ich mir immer eine Anfangsszene, eine grobe Rahmenhandlung und evtl. einen Mittelteil und das Ende. Die letzten beiden kommen mir vielleicht aber auch erst beim Schreiben. Die Lücken fülle ich spontan, schaue, wie sich die Geschichte und die Figuren entwickeln. Jedes Detail durchzuplanen, wäre für mich zu langweilig. Am liebsten mag ich es aber, so an Geschriebenes anzuknüpfen, dass es so aussieht, als hätte ich große Verschwörungen und Überraschungen schon von Anfang an vorgeplant. Ich freue mich wie ein Kind, wenn ich die Leser in die Irre führen kann.

12. Was ist für dich beim Schreiben am Schwersten? Was am Leichtesten?

Beschreibungen von Äußerlichkeiten fallen mir schwer. Das Formulieren an sich funktioniert an sich gut, aber ich kann das Ganze nicht immer so einbauen, dass es fließend wirkt und spannend bleibt. Daher überlasse ich diese manchmal der Fantasie des Lesers. Am einfachsten schreiben sich gruslige, mystische Szenen, Landschaftsszenen und Dialoge.

13. Hast du schon einmal an einer Schreibblockade gelitten? Was hast du getan, um sie zu überwinden?

Ja, gerade kürzlich bei der Fortsetzung von „Das Schweigen des Schnees“. Wie viel von der Vorgeschichte sollte ich für den Leser wiederholen? Was weglassen? Was vorwegnehmen? Zudem kommt ein kleiner Zeitsprung dazu und ich musste die Hauptfigur des ersten Kapitels über Vieles nachdenken lassen. Dabei sollte es doch spannend werden! Ich konnte das Problem nur überwinden, indem ich einfach Satz für Satz weitergeschrieben und erst im Nachhinein Dinge rausgestrichen oder ergänzt habe.

14. Versetzt du dich in eine der Personen in deiner Geschichte, wenn du schreibst? Erlebst du sozusagen die Geschichte mit? Oder bist du eher wie ein Betrachter, der die Geschichte nur von Weitem verfolgt?

Und wie ich mich hineinversetze! Wie gesagt, schreibe ich die Bücher immer so, dass ich sie auch selbst gerne lesen würde. Das heißt auch, dass ich mitleiden muss. Im ersten Band saß ich an einer Stelle heulend vor dem PC und konnte erst weiterschreiben, nachdem ich mir die Tränen weggewischt hatte. Klar, bei Bösewichtern ist das „Hineinversetzen“ manchmal etwas schwierig, aber ich versuche, ihren Charakter nachzuvollziehen.

15. Wie lange brauchst du im Durchschnitt, um ein Buch zu schreiben?

Unterschiedlich. An „Am Tag der Schwarzen Vögel“ habe ich vier Jahre gearbeitet. Bei „Das Schweigen des Schnees“ waren es zweieinhalb. Ich werde sicherlich schneller und routinierter, habe aber gleichzeitig immer weniger Zeit, mich dem Schreiben zu widmen.

16. Was würdest du als Schriftsteller gerne erreichen? Hast du dir ein Ziel gesetzt?

Das Anfangsziel, ein fertiges Buch in den Händen zu halten, habe ich erreicht. Jetzt möchte ich nur weiter-, immer weiter- und weiterschreiben. Ich möchte mich auf jedes Buch freuen, als wäre es das erste. Vielleicht weniger Ziel denn Wunschtraum: die eigene Buchverfilmung!

17. Liest du selbst viel? Was liest du im Moment?

Ich war auch schon mal schlimmer. An irgendetwas bin ich aber immer dran und seien es nur Klassiker für die Schule. Momentan wartet der dritte Band der Schatten-Trilogie von Brent Weeks auf mich. Ich habe ihn kürzlich geschenkt bekommen und trau mich nicht richtig, ihn anzufangen. Dann bin ich nämlich für die nächsten Tage gleich unbrauchbar und nur am Lesen.

18. Was ist dein Lieblingsbuch? Und warum?

Schwierig. Weil es so viele tolle Lieblingsbücher gibt. Als Kind liebte ich Krabat und Die unendliche Geschichte, als Tennie den ganzen Zyklus um Der Herr der Ringe. Bücher von Tad Williams, Brent Weeks, Ralf Isau, Walter Moers, Stephen King, Diana Gabaldon und Rebecca Gablé faszinieren mich immer wieder und enttäuschen mich nie. Bereits auf den ersten Seiten erschaffen diese Autoren eine riesige, unglaublich fesselnde Erzählwelt.

19. Hast du ein Lieblingszitat? 

Wenn ich mich nicht täusche, schrieb Ralf Isau mal in einem Vorwort (vermutlich zur Neschan-Trilogie) so etwas wie: „Bevor man ein Buch schreiben kann, muss man zuerst 30 andere gelesen haben.“ Dieser Punkt scheint mir sehr wichtig. Viele Erfolgsautoren gewöhnen sich das Lesen ab und produzieren die immer gleichen Geschichten in anderen Aufmachungen. Ich möchte das vermeiden und lese fleißig weiter.

Das Schweigen des Schnees 3d20. Welche Bücher (auch Filme oder Musik oder anderes) haben dich besonders beeinflusst?

Das deckt sich weitgehend mit Frage 18. Für „Das Schweigen des Schnees“ ließ ich mich zusätzlich von Mangas und Animes inspirieren.

21. Hast du Autoren, die du bewunderst oder die du dir als Vorbild genommen hast?

Schreibtechnisch sind es die bereits genannten Autorinnen und Autoren. Jeder mit seinen eigenen Stärken. Als Mensch hat mich die Schweizer Autorin Alice Gabathuler begeistert. Wie sie möchte ich mit viel Freude und Enthusiasmus Schriftstellerin sein.

22. Was würdest du (als Autor) in den nächsten 5 Jahren gerne erreichen?

Band 2 rausbringen und vielleicht sogar den dritten noch dranhängen. Und nicht nur lokal, sondern auch gesamtschweizerisch etwas bekannter werden. Vielleicht auch mal zum großen Nachbarkanton rüber spähen.

23. Welche Ratschläge würdest du deinem jüngeren Selbst geben?

Dranbleiben und Geduld haben! Alles braucht seine Zeit.

24. Wenn du die Möglichkeit hättest deine Bücher nochmal völlig neu zu schreiben, würdest du es tun?

Das überlege ich mir gerade bei „Am Tag der Schwarzen Vögel“. Nicht inhaltlich, aber orthografisch hat das Buch eine Überarbeitung nötig.

25. Hast du sonst noch Ratschläge für junge Autoren?

Dieselben wie an mein junges Ich. Gib nicht auf, nur weil niemand dein Buch haben will. Das erste muss auch nicht immer der große Hit sein. Schreib weiter, werde besser, werde erfahrener, hol dir Hilfe von Leuten, die (auch) schon veröffentlicht haben.

26. Wo kann man mehr über dich und deine Arbeit/ Projekte herausfinden?

Website: http://www.bettina-bellmont.ch

Facebook: https://www.facebook.com/BettinaBellmontAutorenseite

Youtube: http://www.youtube.com/channel/UCQaCS6ruRs9b8OETDYqnJIw

Amazon: Das Schweigen des Schnees

Am Tag der schwarzen Vögel

Lovelybooks: http://www.lovelybooks.de/autor/Bettina-Bellmont/

Autillus: http://www.autillus.ch/?pg=p&op=sho&fDo_user_item=409&pgS=12

Ich bedanke mich vielmals für das Interview.

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Veröffentlicht von

Nicole Janes

Autorin, Illustratorin und Comic Zeichnerin

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